Projekt Fischnetz: Zusammenfassung

 

 

Fischnetz im Überblick

Seit 1980 sind die Forellenfänge in der Schweiz um 60% zurückgegangen. Bei Fischen verschiedener Gewässer wurden gesundheitliche Beeinträchtigungen festgestellt. Von der EAWAG, dem BUWAL und einigen Kantonen wurde daraufhin 1998 das Projekt Fischnetz (Netzwerk Fischrückgang Schweiz) ins Leben gerufen. Ziel des schweizweiten Projekts war es, den Fangrückgang und die Fischgesundheit zu dokumentieren, die Ursachen dafür zu ergründen, und Massnahmenvorschläge zu entwickeln. Alle 26 Kantone, das Fürstentum Liechtenstein, der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) und die Schweizerische Gesellschaft für chemische Industrie (SGCI) schlossen sich dem Projekt an. Rund 3,1 Mio Franken wurden im 5-jährigen Projekt investiert

Ein gutes Dutzend Hypothesen bildeten die Basis der Untersuchungen in den 77 Teilpro–jekten. Hat die Angleraktivität abgenommen und wurden deshalb weniger Fische gefangen? Gibt es zu viele Kormorane und Gänsesäger, die Fische wegfres–sen? Verschwinden zunehmend die für die Fische geeigneten Lebensräume? Wer–den die Fische durch Chemikalien vergiftet oder durch hormonaktive Substanzen beeinträchtigt? Hat das Nahrungsangebot abgenom–men oder ist die Klimaerwärmung für den Rückgang der Fische verantwortlich? Sind Gesundheit und Fortpflanzungsfähig–keit gestört, so dass die Fische zugrunde gehen? All diesen möglichen Fragen ist das Projekt Fischnetz nachgegangen.

 

Die Fangstatistik zeigt, dass immer weniger Anglerinnen und Angler Patente gelöst haben und dadurch die Fangintensität nachgelassen hat. Damit lässt sich aber nicht der gesamte Rückgang des Fangertrags erklären. Die Detailauswertung der Fangdaten zeigt, dass auch die Fischbestände zurückgegangen sind. Die Projektleitung von Fischnetz kommt zum Schluss, dass der Bestandesrückgang in vielen Fällen auf die generell schlechte Situation bei den Lebensräumen und auf die Krankheit PKD zurückzuführen ist. Schlechte Lebensraumqualität kann sowohl die Morphologie (beispielsweise fehlende Unterstände durch Verbauungen oder unzureichende Ufervegetation) als auch die Wasserqualität (chemische Verschmutzung) betreffen.

 

Schlechte Lebensräume

Die Verbauung der Flüsse, ihre Fragmentierung und die Zerstörung der Ufervegetation liegen teilweise Jahrzehnte zurück. Deren Folgen, wie zum Beispiel monotone Lebensräume und tausende von Wanderungshindernissen für Fische sind aber heute noch wirksam. Sie behindern Fische bei der Flucht vor widrigen Umständen und versperren den Zugang zu Laichplätzen an den Flussoberläufen und Seitengewässern. Durch die Isolation der Lebensräume ist der genetische Austausch zwischen den Subpopulationen eingeschränkt.

 

Ungenügende Wasserqualität

Die Belastung der Fliessgewässer durch Chemikalien ist in den letzten 30 Jahren zurückgegangen. Nach wie vor erreichen jedoch die Stickstoffverbindun–gen Nitrit und Ammoniak nach starken Regenfällen teilweise gefährlich hohe Konzentrationsspitzen. Die Pestizidbelastung ist in den landwirt–schaft–lich intensiv genutzten Gegenden des Mittellandes lokal immer noch zu hoch und in den stark besiedel–ten Regionen des Mittellandes erreichen natürliche und künstliche Hormone die Wirkschwelle für Fische. Es wird vermutet, dass vor allem das Zusammenwirken dieser Substanzen („Chemikalien-Cocktail) langfristig die Gesundheit der Fische beeinträchtigt.

 

Infektionskrankheit PKD

Im Rahmen der Untersuchungen der Fischgesundheit wurde auch die erstmals 1979 in der Schweiz nachgewiesene PKD („proliferative kidney disease“) intensiver unter–sucht. Diese Nierenkrankheit konnte in den Jahren 2000 und 2001 an knapp 200 Stel–len in der Schweiz festgestellt werden – vor allem in Gewässern des Mittellands. PKD führt zu aufgeschwollenen Nieren und häufig zum Tod der Fische. Ein Vergleich zeigt, dass an PKD positiven Standorten die Fangzahlen tiefer sind als in Gewässern ohne PKD. Die PKD dürfte demnach einer der Hauptfaktoren sein, die zum Fangrück–gang beigetragen haben.

 

Zusammenwirken mehrerer Einflüsse

Wichtig für den Bestandesrückgang ist aber auch die kombinierte Wirkung der Einfluss–faktoren. So bricht PKD bei infizierten Fischen dann aus, wenn die Wassertemperatur länger als etwa 2 Wochen über 15 °C liegt. Zwischen 1978 und 2002 haben die mittleren Temperatu–ren der schweizerischen Fliessgewässer um rund 1 °C zugenommen. Ausserdem führt die Temperaturerhöhung dazu, dass der für Forellen geeignete Lebensraum sich verkleinert: Den kälteliebenden Forellen wird es in den zunehmend wärmeren Gewässern des Mittellandes zu warm.

 

Situationsgerechte Massnahmen sind nötig

Zentral ist, dass sich die Gewichtung der Ursachen von Gewässer zu Gewässer unter–scheidet. Massnahmen müssen somit unbedingt den lokalen Gegebenheiten angepasst werden. In erster Linie sind die Lebensräume zu verbessern. Die Gewäs–ser müssen über den Längsverlauf besser vernetzt werden, die Ufervegetation ist zu fördern und es ist dafür zu sorgen, dass immer genügend Wasser in den Gewässern verbleibt. Für alle relevanten Stoffe sind Qualitätsstandards festzulegen und einzuhal–ten. Das Gewässerschutzgesetz ist konsequenter zu vollziehen und die Bewirtschaftung der Gewässer muss optimiert werden. Fische aus PKD-Gewässern dürfen nicht in PKD-freie oder nicht auf PKD untersuchte Gewässer eingesetzt wer–den. Der Besatz soll nur im Rahmen von Besatzkonzepten durchgeführt werden. Um die langfristige Entwicklung und die Wirkung von Massnahmen verfolgen zu können, ist auch eine systematische Überwachung der Fischbestände nötig.

 

Folgeprojekt und Beratungsstelle

Die bereits eingeleiteten sowie auch die empfohlenen Massnahmen erfordern weiterge–hende Informationen, Schulung und Unterstützung bei der Erfolgskontrolle. Fischnetz wird deshalb mit dem Folgeprojekt „Optimierung der Fangerträge und Gewäs–serqualität“ vor allem die Kantone bei der Umsetzung der Massnahmen unterstüt–zen. Ab April 2004 steht der Fischerei-Praxis auch die Fischereiberatung FIBER zur Verfügung, die von EAWAG, BUWAL und dem SFV getragen wird.