Fischnetz-Einführung
Seit
Mitte der 80'er Jahre sind in den schweizerischen Fliessgewässern die Fangerträge
bei den Bachforellen kontinuierlich um mehr als 40% zurückgegangen (siehe
Grafik
zum Forellenfang
BUWAL 2001, Karte zum Fischrückgang
in der Schweiz Frick et al. 1999). Bei vielen Fischen wurden zudem Organschäden
festgestellt. Von früher liegen dazu kaum Daten vor.
Einige Kantone und das BUWAL haben sich den Fragen nach den Ursachen des Fischrückgangs in den Fliessgewässern angenommen und Untersuchungen dazu durchgeführt. Um die schweizerischen Aktivitäten voranzutreiben, zu koordinieren und zu vernetzen, haben EAWAG und BUWAL 1998 beschlossen, ein gemeinsames Projekt zusammen mit den Kantonen, der Chemischen Industrie, dem Schweizerischen Fischereiverband und Forschungsinstituten durchzuführen. Es bezweckt, die Veränderungen an der einheimischen Fischpopulation zu identifizieren, deren Ursachen zu ermitteln und Handlungsoptionen zur Verbesserung der Situation auszuarbeiten. Dazu wurde Ende 1998 das Forschungsprojekt Netzwerk Fischrückgang Schweiz (kurz: Fischnetz) gestartet. Es wurde Ende 2003 abgeschlossen (siehe auch Gesamthaftes Vorgehen von Fischnetz).
In einer
ersten Phase wurden anhand von 12 Arbeitshypothesen
einige Einflussfaktoren näher untersucht, die den Fischfangrückgang
und die vermutete Verschlechterung des Gesundheitszustands erklären
könnten. Dazu wurden auch mehrere über das ganze Land
verteilte Felduntersuchungen durchgeführt. So wurde an über
40 Fliessgewässern untersucht, ob die natürliche Verlaichung
oder das Aufwachsen der Jungfische gestört ist (Projekt 00/12). Es wurde nach Anzeichen
von Gesundheitseffekten durch östrogen wirkende Chemikalien
gesucht (99/15, 00/19)
und die Ausbreitung der von Parasiten verursachten Fischkrankheit
PKD (proliferative Nierenkrankheit) wurde erfasst (00/02).
Im weiteren sind die Fliessgewässer Alte Aare im Kanton Bern
(00/09) und der Rhein im
St. Galler Rheintal (00/17)
intensiv untersucht worden. Alle vorliegenden Daten und Untersuchungen
wurden zusammengetragen, und mit Beteiligten aus Bund, Kantonen,
Forschung, Fischerei und der Privatwirtschaft wurde ein umfassende
Ursachenanalyse durchgeführt. Die Ergebnisse sowie Massnahmen
zur Verbesserung der ökologischen Verhältnisse liegen
nun vor (Bericht Alte Aare, Zusammenfassung
der Ergebnisse St. Gallen).
In der zweiten Phase ab 2001 galt es, den Gesamtüberblick über die Problemlage (Fischbestand, Verbreitung von Krankheiten etc.) und über mögliche Ursachen des Fangrückganges zu vervollständigen. Dazu sind umfassende Studien und Projekte zu allen Bereichen der Arbeitshypothesen lanciert worden, wie folgende Beispiele von Projekten aufzeigen:
·
Auswertung von Daten zum Fischbestand (00/01,
00/03)
· Anglerverhalten, Auswirkungen der Fischbewirtschaftung
(00/04, 00/24)
· Eintrag von Feinsedimenten, Kolmation der Gewässersohle
(01/01, 01/07)
· Kreislauf und Bedingungen der Fischkrankheit PKD (01/04, 01/05)
· Veränderung der Temperatur in Fliessgewässern
(01/08)
· Verfügbarkeit von Fischnahrung (01/09)
· Veränderungen der hydrologischen Abflussverhältnisse
(01/10)
Daneben wurden an vier
ausgewählten Testgebieten (00/16)
die ökologischen, chemischen, physikalischen und biologischen Zusammenhänge
im Hinblick auf die Arbeitshypothesen zum Fischfangrückgang vertieft untersucht.
Im Projekt Wahrscheinlichkeitsnetzwerk (01/02)
wurde das vorhandene Wissen unter Einbezug des ExpertInnenwissens (Befragung)
systematisch analysiert. Dies als Teil einer gesamthaften Synthese, welche alte
und neue Ergebnisse und Erkenntnisse zusammenführt, analysiert und Handlungsoptionen
erarbeitet. Diese Synthese wurde Anfang 2004 als Fischnetz-Schlussbericht
publiziert.
Ab Anfang 2004 werden die
Fischnetz-Ergebnisse im Folgeprojekt Fischnetz+
umgesetzt.